Die Sorge um sich selbst

Manches fügt sich ganz sonderbar. Vor einer Woche habe ich mir in der Bücherwühlkiste des Ordensklinikums einen 1€ – Roman über die Lebensgeschichte einer tibetischen Nonne gekauft (Olivedi, Ulli, Wie in einem Traum, München 2003), der gleichzeitig eine sanfte Einführung in den Tibetischen Buddhismus darstellen soll. Wie auch immer, er ist flüssig geschrieben und ich finde Sätze darin, die mich persönlich berühren, wie z. B.: „Ich wollte immer stark sein. Vielleicht war das meine größte Schwäche.“ Weiterlesen

Fotografie-Malerei

Diesmal möchte ich die tolle Arbeit einer lieben Freundin und ehemaligen PFSÖ-Schülerin vorstellen, auf die sie mich heute in einem Gespräch aufmerksam gemacht hat:

Fotografie-Malerei mit Licht, Schatten, und Eva Cassidy . . .

Ich bin davon sehr berührt, umso mehr, als ich selbst bisher vorwiegend die Bilder ihres Mannes,  Wolfgang Mayerhoffer kannte, mit dem ich ja gemeinsam bereits eine Ausstellung hatte.

Ich finde, dass Karins Arbeit einen wunderbaren (fotografischen) Gegensatz zu Wolfgangs beeindruckenden Landschaftsbildern darstellt. Aber vielleicht macht ihr euch selbst ein Bild und stöbert ein wenig auf der Website der Beiden! Es lohnt sich!

Was gibt es bei mir Neues? Weiterlesen

Schwarze Löcher

Leider geht es nicht kontinuierlich bergauf in Woche zwei nach der Chemo, sondern unvermittelt, wenn man es am wenigsten erwartet,  tut sich plötzlich ein schwarzes Loch auf. Es reicht ein kleines körperliches Symptom, das man nicht zuordnen kann, ein Zwicken im Bauch oder eine schlecht durchschlafene Nacht.

Heute habe ich mir einen Notfallplan (Plan A) zurecht gelegt: Trinkflasche und Knabbereien einpacken und auf zum Eichberg. Herr Ho meinte, Bergluft würde mir gut tun. Derzeit geht halt nur „EichBERGluft“. Eine Stunde Waldspaziergang bringt wieder alles halbwegs in die Reihe. Vor allem, weil es immer auch ein kleiner Spaziergang in die Vergangenheit ist.

In meiner Kindheit wohnten wir einen guten Kilometer vom Waldrand entfernt, nur durch weite Felder getrennt. Damals gab es ja noch Feldraine, die uns als Weg zum Wald dienten. Am Waldrand angekommen, empfing uns eine gemütliche Bank – damals noch aus Holz – bevor der Anstieg auf/in den Eichberg begann.  Als mein Onkel Gerd noch lebte, kam er eines Abends auf die Idee, einen nächtlichen Spaziergang in der Dunkelheit durch den Wald zu machen. Bis zu dieser Bank konnten wir noch einigermaßen sehen, ab da wurde es aber stockdunkel. Wir hielten einander an den Händen und mein Vater übernahm die Führung. Das war ein wunderbares, aufregendes Erlebnis und die Erinnerung daran gibt mir ein Gefühl der Geborgenheit. 

Heute mache ich bei dieser Bank eine kurze Trinkpause und blicke in die Richtung, aus der wir damals kamen. Keine Felder mehr zu sehen:

Ein positives Erlebnis ist jedoch meine nächste Labestation, eine kleine Kapelle am Waldrand. Sie ist renoviert, sauber, gepflegt und kann sogar betreten werden. Ich versuche ein „Gegrüßet seist du Maria“, muss aber leider gestehen: das „Vater unser“ geht flüssiger…

Schließlich komme ich noch zu unserem Schihang. Hier haben wir Schi fahren gelernt, und damals war der Hang unglaublich steil. Von ganz oben weg zu fahren, das war schon eine große Herausforderung. Es gab dort auch echte Schirennen! Neben dem Hang war eine Jausenstation, wo man sich im Anschluss stärken konnte.

Und falls das jemand nicht glauben sollte: es gibt Archivaufnahmen eines solchen Rennens.

Wie geht es mir?

Weil einige sich Sorgen machen um mein Befinden: es geht mir gut! An manchen Tagen erinnern mich nur die tauben Zehen- und Fingerspitzen, sowie der Blick in den Spiegel an meine Krankheit. Gut, auch die Tatsache, dass es mich ein wenig stresst, zwei Liter Oolong-Tee über den Tag verteilt zu trinken und zwischendurch auch noch die gemahlenen Wurzeln von Ginseng, Kurkuma und Engelwurz in den empfohlenen Zeitabständen einzunehmen. Vom Stress mit dem „richtigen“ Essen, aber auch von den zuckersüßen Chal-Shakes zwecks Kalorienzufuhr habe ich mich verabschiedet und siehe da: das Gewicht hat sich stabilisiert und liegt auf meinem üblichen „Liebeskummer-Level“, also nicht allzu weit (2-3kg) entfernt vom jahrzehntelangen Standardgewicht. 

Seit einigen Tagen übe ich wieder mit mehr Konsequenz das Guolin-Qigong am Dach unserer ehemaligen Schmuckwerkstatt mit Blick auf blühende Sträucher und das betörende Grün der Bäume ringsherum. Oder auf den wildromantischen Sitzplatz zwischen der mächtigen Blutbuche und meinem Zitronen (Orangen?)baum. 

Trotzdem: manchmal überkommt mich bleierne Müdigkeit – speziell nach der Chemo gibt es einige sehr dunkle Tage, und es wird mir bewusst, wie labil diese Zustände sind. Umso mehr bin ich dankbar für die hellen, energievollen.

Seitenwechsel in der Portraitfotografie

Für ganz besondere Portraitaufnahmen bat mich ein lieber Freund um einen ungewohnten Seitenwechsel: er würde gerne für einen fotografischen Jahresworkshop Portraitaufnahmen von mir machen. Nachdem ich seine Arbeiten in ihrer ehrlichen Direktheit und „ungeschönten“ Art sehr schätze, fand ich diese Bitte als große Ehre, aber auch als Herausforderung. VOR der Kamera zu stehen war schon eine besondere Herausforderung für mich – in der aktuellen Situation noch viel mehr. Weiterlesen

Herr Ho bringt mich zum Weinen

Bei der zweiten Sitzung (Liegung vielmehr) war Herr Ho weitaus gesprächiger. Fragen stellte er nach wie vor keine. Er meinte, mein Körper wäre noch sehr schwach, vor allem die Nieren, und dass hier die richtige Ernährung ganz wichtig sei. Außerdem seien meine Nervenbahnen sehr blockiert, weshalb es für ihn schwierig sei, Energie hineinzubekommen.  Weiterlesen

Dr. Ho oder die Rückkehr zum Vegetarismus

Heute war ich, vielfachen Empfehlungen folgend, bei Ching-Son Ho  in Linz. Nachdem Akupunktur von Beginn an eine Wunschoption für begleitende Behandlung war, wagte ich einen Besuch. Herrn Ho eilt nämlich der Ruf voraus, sehr streng zu sein – und seine Behandlungen schmerzvoll… Inzwischen weiß ich zwar, dass er kein Dr. (med.) ist, sondern ein TCM-Therapeut, meinen Vertrauensvorschuss sein Können betreffend mindert diese Tatsache  allerdings nicht. Weiterlesen

Was für ein Tag!

Ich habe heute die erste Vorlesung im Sommersemester besucht, die erste überhaupt seit meiner Diagnose Ende Oktober 2017!

Ein wunderbares Erlebnis dieses herzliche Wiedersehen mit Freunden und Lehrenden! Es berührt mich sehr, noch/wieder so präsent zu sein auf „meiner Denkwiese“.  Plötzlich ist da wieder etwas im Leben, das wichtiger ist als Chemo und Krankheit. Ich sitze im Hörsaal als wäre nichts passiert in den letzten Monaten. Gut, ich trage jetzt ein Kopftuch. Noch ist es ja erlaubt…

Frau sollte nicht unbescheiden sein, aber ich freue mich auf ein nächstes Mal!

Naturgarten – die gelbe Seite


Im Frühling findet in unserem „Naturgarten“ eine Farbenschau statt, die wirklich beeindruckend ist. Da wir keinen Rasen pflegen, sondern einer sich im Laufe der Jahre entwickelnden Bodenvegetation freien Lauf ließen, ist jeder Frühling eine Augenweide. Zuerst beginnt der Hohle Lärchensporn  in lila und weiß die linke Seite des Gartens zu verzaubern, Weiterlesen

Lebenskraft



In den letzten Tagen erwacht nicht nur in der Natur die Lebenskraft, auch ich fühle mich ausgesprochen gut und genieße die schönen Tage. Ich kann nun im Garten meine Qigong-Übungen machen, und wandle zwischen Veilchen und diversen anderen Wiesenblumen herum. Weiterlesen

Frühlingsspaziergang

Endlich lässt sich der Frühling erahnen und lockt mich zu einem Frühlingsspaziergang in „meinen“ Wald, den Eichberg. Berg ist übertrieben, auch der Begriff Wald ist inzwischen grenzwertig. Wohnhäuser bedrängen ihn von allen Seiten, dort wo früher Felder waren ist nun weitgehend alles verbaut. Aber es gibt Plätze, die haben sich im Laufe der Jahrzehnte nicht verändert, und die besuche ich gerne. Weiterlesen

Beständigkeit

Die einzige Beständigkeit in meinem Leben sind derzeit die 14-tägigen Fieberschübe. So bin ich wieder ins Krankenhaus übersiedelt. Wenigstens konnte am Montag wieder mal eine Chemo verabreicht werden! Außerdem: die Leberwerte haben sich signifikant verbessert. 

Aber was machen wir mit den E-coli-Bakterien?! Heute Nachmittag wurde darüber beraten, das Ergebnis erfahre ich wohl erst nach dem Wochenende. Eine Gratwanderung, diese Therapie…

Eines musste ich mir wieder in Erinnerung rufen: von Tag zu Tag leben, keine Pläne machen, das stresst nur. Auch wenn ich so gern wieder mal in einer Vorlesung sitzen würde, es lässt sich halt derzeit nicht planen. Aber vielleicht geht es sich ja doch einmal – ganz zufällig. 🙂

 

Nimm dein Bett und geh!

Die Woche im Krankenhaus verlief grundsätzlich wie gewohnt: das Fieber fällt rasch nach den ersten Antibiotikuminfusionen, dann geht es mir wieder zunehmend besser. 

Den Großteil der Woche durfte ich in einem Zweibettzimmer mit einer sehr netten, weltoffenen Dame verbringen. Wir verstanden uns auf Anhieb ausgezeichnet und das „Zusammenleben“ funktionierte perfekt. Als wir dann heute beide verlegt wurden, fiel der Abschied fast schwer. Weiterlesen

Ein Dankeschön

an alle meine Lieben, die mir beistehen, Daumen drücken, mir gutes wünschen oder für mich beten: euer Einsatz trägt Früchte! Trotz der vielen Verzögerungen, den Ausfällen von Therapieterminen zeigte die erste Kontrolluntersuchung, dass der Tumor sich von 25 bereits auf 16 mm verkleinert hat! 

Leider beschäftigen mich die Fieberschübe momentan mehr als die Krebszellen, und so lieg ich wieder mal im Krankenhaus. Neuerliche Sepsis. Dabei wollt ich nächste Woche die erste Vorlesung im Sommersemester besuchen. Vielleicht geht es sich ja noch aus. Gleich beim ersten Mal fehlen macht auch keinen guten Eindruck…. 😉