Dr. Ho oder die Rückkehr zum Vegetarismus

Heute war ich, vielfachen Empfehlungen folgend, bei Ching-Son Ho  in Linz. Nachdem Akupunktur von Beginn an eine Wunschoption für begleitende Behandlung war, wagte ich einen Besuch. Herrn Ho eilt nämlich der Ruf voraus, sehr streng zu sein – und seine Behandlungen schmerzvoll… Inzwischen weiß ich zwar, dass er kein Dr. (med.) ist, sondern ein TCM-Therapeut, meinen Vertrauensvorschuss sein Können betreffend mindert diese Tatsache  allerdings nicht.

Das Datenblatt zur Ersterfassung war schnell ausgefüllt: Name, Adresse, Telefonnummer. Mehr nicht. Ich mag diesen Purismus! Der Sohn wies mich dann in einen kleinen Raum, in dem eine mit Decken gepolsterte Liege und ein Elektroakupunkturgerät stand. Ich muss mich bis auf die Unterwäsche ausziehen, hinlegen und warten. Aufmunternd meint er noch: „Sie dürfen schreien!“

Nach einer kurzen Wartezeit, die zur Beruhigung eh ganz gut war, kommt Herr Ho bei der Tür herein. Er begrüßt mich höflich und meint: „Sie bekommen Chemo?“ Eine rein rhetorische Frage, wenn so eine haarlose Gestalt vor einem liegt. Das war es aber auch schon mit der Anamnese. Keine weiteren Fragen. Die Untersuchung beginnt und endet mit ausgiebigen Pulsfühlen. Dann zeigt er über den Bereich unter den Rippenbögen und sagt: „Hier alles entzunden! Ganze Bauchspeicheldrüse und Leber.“ Ich bin in diesem Moment schon ziemlich verblüfft. Eine klare Punktlandung, und das ist im Puls zu erfühlen!? Er spürt aber noch mehr: „Auch Dickdarm entzunden und Niere.“ Ich gehe jetzt davon aus, dass die Bedeutung des Wortes Entzündung in der TCM nicht unbedingt konform geht mit der westlichen Medizin. Da gibt es auch die Erkrankung Krebs nicht als solche. Krebs ist das Symptom einer Erkrankung. Diese mehrfachen Entzündungen würden für mich aber doch die vielen fiebrigen Infekte, die immer wieder auftauchen und nicht wirklich lokalisierter sind, erklären.

Die Behandlung beginnt. Er setzt die Elektroden nach und nach an die einzelnen Punkte der Meridiane und verweilt dort jeweils ein paar Sekunden. Es tut teilweise sehr weh, ist aber erträglich. Beim letzten Punkt, den er sehr lange drückt, wird es wirklich schmerzhaft. Da schrei ich tatsächlich. Er fragt nur: „Hände schon nass? Füße schon nass? Bauch warm?“ Ich bejahe alles! Endlich hört er auf! Gut, die Füße waren wirklich nass, die Hände grad mal feucht und der  Bauch fühlte sich zumindest von außen warm an. „Wenn nass, dann Zeichen, dass Entzündung weggeht“. erklärt er. Wenn er das vorher gesagt hätte, dann hätte ich nicht so schnell aufgegeben! Er ist nun fertig und möchte, dass ich diese Woche nochmal komme. Und dass ich meine Ernährung umstelle. Eigentlich ist mein neuer Ernährungsplan recht einfach:  

Fragt nicht nach Dingen, die hier nicht draufstehen….! Es ist eine radikal basische, entzündungshemmende Ernährung, die er mit kleineren Abweichungen anscheinend allen PatientInnen verordnet. Ich hab ja schon ein wenig nach Erfahrungsberichten recherchiert, teilweise werden schon Rezepte ins Netz gestellt. Das Öl-Verbot ist mir nicht klar, das wird sicher noch hinterfragt. Es gibt dann noch eine Tabelle, welches Gemüse zu welcher Tageszeit genossen werden darf. Dazu bekam ich noch eine spezielle Sorte Grünen Tee und ein jap. Engelwurzpulver verordnet. 

Nach anfänglicher Verzweiflung finde ich langsam Interesse daran, das umzusetzen. Die Akupunkturbehaundlung hat mir sehr gut getan, ich schlafe jetzt auch besser. 60% der Heilung hängen jedoch von der Ernährung ab, meint Herr Ho. Ehrlich gesagt hatte ich in letzter Zeit selbst schon manchmal Unbehagen dabei, einfach kalorienreiche, zuckerhaltiges Zeugs zu mir zu nehmen. Speziell wenn Organe wie Bauchspeicheldrüse und Leber befallen sind, muss man die doch nicht zusätzlich mit ungesunder Kost belasten. Zumindest bis zum  2. Termin am Mittwoch möchte ich es halbwegs streng durchhalten. Für die Kalorienzufuhr werde ich das Gemüse mit Maltodextrin aufpeppen. Das wird ja eh aus Mais gewonnen. Und a bissi Öl schwindelt sich ab und zu rein…… 

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